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Letzthin habe ich irgendwo gehört: Das stürzte mich in eine 15minütige Phase ernsthaften Nachdenkens. „Ist nicht wahr“, meine spontane Reaktion.

Anfang Jahr hab ich folgende Neujahrswünsche in den Äther geschickt:
Viel Glück euch allen für das neue Jahr. Ich wünsche euch gute Standpunkte. Schöne Aussichten. Herzlichen Weitblick.

Die Wünsche. Ich habe über sie nachgedacht. Darüber, was ich schreibe. Was ich schreiben soll. Alles ist virtuell, das dazugehörige Bild anspruchslos. Es gefällt. Oder nicht. Auf einen Klick.
Die Wünsche. Hingegen. Darüber könnte man nachdenken. Sind sowohl persönlich als auch politisch und sozial gemeint. Nicht, dass ich den Anspruch gehabt habe, dass sie irgendwen zu irgendwas bewegen.

Die Wünsche. Die Phase ernsthaften Nachdenkens. Ausgedeutscht.

Gute Standpunkte: Nicht alle haben die gleichen Voraussetzungen, um ein gutes Leben führen zu können.

Schöne Aussichten: Das meine ich ganz persönlich. Sie erfreuen das Herz. Und gegen den Anblick einer schönen Landschaft, einer netten Person, eines wunderbaren Gebäudes oder einer Statue oder anderweitig Schönem ist überhaupt nichts einzuwenden. Auch gegen das Posten solcher Aus- und Ansichten nicht. Das mag ich auch.
Wenn ich die Aussage politisch betrachte: Ich wünsche möglichst vielen, dass sie überhaupt gute Standpunkte haben. Oder eine Chance bekommen, gute Standpunkte zu erlangen. Und auch, dass gute Standpunkte zu schönen Aussichten werden können.

Herzlicher Weitblick: Da könnte es sehr politisch werden. Oder persönlich. Oder: Sprache lässt Freiräume für Verstehen und Interpretation. Zuerst das Herz-liche. Die Kombination Herz und Verstand hat selten geschadet, der Blick über die eigene Nase hinaus auch nicht. Da ist ein weiterer Wunsch versteckt: Bleiben wir sowohl menschlich als auch sozial-politisch weit-sichtig. Wohlwollend. Nicht alle Menschen haben selbstverständlich gute Standpunkte und daher schöne Aussichten und sind in der Lage, herzlich weit zu blicken.

Der Unterschied zwischen Sprache und Bildern. Sie beanspruchen unterschiedlich viel Zeit, um zu gefallen. Um verstanden zu werden. In diesem Sinne: weiterhin guote Ziite. Die Wünsche gelten, ausserhalb der Zeit, und laden herzlich zum Nachdenken ein. Falls 15 Minuten nicht zu viel verlangt sind.